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Mareike mit Ajan Chaokunsri

Ein Jahr im buddhistischen Kloster in Bangkok – Interview mit Tourismusmanagement-Studentin Mareike (Teil 1)

Mareike durfte als bisher einzige Europäerin, ein ganzes Jahr lang, in einer buddhistischen Kloster/Tempelanlage, in Bangkok (Thailand) leben. Diese Erfahrung war nicht geplant, es war reiner Zufall und vielleicht auch ein wenig aus der Not heraus gewachsen. Das hat uns sehr neugierig gemacht. Wie ist es genau dazu gekommen? War…

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Ein Jahr im buddhistischen Kloster in Bangkok – Interview mit Tourismusmanagement-Studentin Mareike (Teil 1)

Mareike durfte als bisher einzige Europäerin, ein ganzes Jahr lang, in einer buddhistischen Kloster/Tempelanlage, in Bangkok (Thailand) leben. Diese Erfahrung war nicht geplant, es war reiner Zufall und vielleicht auch ein wenig aus der Not heraus gewachsen. Das hat uns sehr neugierig gemacht. Wie ist es genau dazu gekommen? War es eine Wellness-Erfahrung? Sind daraus Freundschaften entstanden? Hat sich ihr Leben danach vielleicht sogar bahnbrechend geändert? Wir hatten viele Fragen und wir durften sie stellen. 🙂

  • Mareike mit Ajan Chaokunsri
    Mareike mit Ajan Chaokunsri

    Du hast ein Jahr in einem buddhistischen Tempel in Bangkok gelebt – als erste(r) Nicht-Thai. Eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Wie ist es dazu gekommen?

Ich studiere Tourismusmanagement an der Hochschule Harz in Wernigerode und im Rahmen eines Austauschsemesters sollte ich ein Semester in Bangkok studieren. Da ich gerne länger weg wollte, bin ich freiwillig für ein Jahr ins Ausland gegangen. Für mein Studium bekomme ich Bafög und um dieses in Bangkok weiterhin zu bekommen, musste ich Thailändisch Grundkenntnisse nachweisen. Im Internet bin ich auf ein buddhistisches Zentrum in Hannover gekommen, wo man am Wochenende Thai lernen kann. Gesagt getan, bin ich dorthin gefahren, wurde ins „ Klassenzimmer“ gebracht, und da tauchte ein echter buddhistischer Mönch auf. Dieser war auf „ Tempelaustausch“, und kommt eigentlich aus Bangkok.
Ich war total erstaunt, denn ich hatte nicht mit einem Mönch gerechnet. Während des Wochenendunterrichtes haben wir natürlich auch ganz viel über Thailand gesprochen, und da er selber nur für 3 Monate in Deutschland war, und kurz vor meinem Abflug nach Bangkok selbst zurück zu seinem Tempel nach Bangkok musste, fragte er mich, ob ich mir seinen Tempel mal angucken möchte. Er würde mich dort rumführen. Er gab mir seine Telefonnummer und bat mich, mich zu melden wenn ich ankomme.

Als ich in Bangkok angekommen bin, ging das Problem der Wohnungssuche los. Ich hatte verschiedene Termine ausgemacht, aber entweder stimmte die Lage nicht, der Preis passte nicht, es war nicht rechtzeitig frei oder ich hab es in dieser riesen Stadt einfach nicht gefunden 😉 Als ich total verzweifelt war und dachte

„Oh man, in einer Woche geht die Uni los, und du brauchst dringend eine Wohnung“, fiel mir ein, dass ich die Nummer von dem Mönch habe. Ich hab ihn daraufhin angerufen, mich 1000 Mal entschuldigt das ich ihn störe, aber ich habe ein Problem, und auch das ich nicht glaube, dass er mir helfen könnte, aber er sei nun mal der einzige Mensch den ich kenne.

Er hatte 2 Fragen:
1) Wieviel darf die Wohnung kosten 2) Wann musst du einziehen

Er bat mich am nächsten Tag vorbei zu kommen, im Tempel sei eine Wohnung frei. Ah jaaaa, klar, im Tempel…Ich bin am nächsten Tag dorthin, rief meinen Vater an und meinte „Papa, seit wann kann man in einem Tempel wohnen“? Ich traf den Mönch, der mich mit einem anderen Mönch abholte am Eingang des Tempels, die beiden führten mich ein Gebäude, öffneten die Wohnungstür, und vor mir war der perfekte Raum: 30m², sauber, direkt am Skytrain und perfekter Preis. Ich unterschrieb an dem Tag einen thailändischen (!) Vertrag, ohne dass ich wusste was dort steht 😉

Aber ich dachte mir: Naja, es sind Mönche, die müssen ja die Wahrheit sagen, da kann nichts passieren.

Der Mönch übersetze mir die wichtigsten Passagen, so dass ich wusste, wie hoch die Miete ist, und das ich mindestens 6 Monate dort wohnen müsste. Das Gebäude, in dem die Wohnung lag, wird vom Tempel nicht genutzt, daher haben sie dort 1-Raum Appartments eingebaut, die sie eigentlich an thailändische Personen vermieten. Da ich den einen Mönch aus Deutschland kannte, durfte ich dann dort einziehen.

  • Hast du in dem Jahr auch am Kloster/Tempel-Leben teilgenommen? Und hast du heute noch Kontakt zu den Mönchen?

Ich war am Anfang total unsicher, was den Kontakt zu den Mönchen anging. Ich hatte mir von einem thailändischen Freund auf Thai übersetzen lassen was ich sagen soll, wenn ich die Miete bezahlen möchte. In meinem ersten Monat stand ich aufgeregt mit einem Zettel in der Hand im dem Tempel Büro, stotterte meinen „ Ich möchte Miete zahlen“ Satz auf Thai hinunter, die Sekretärin schaute mich entsetzt an, und ein anderer Mönch im Hintergrund kam nach vorne, lachte etwas verlegen, und meinte „ Das, was du gesagt hast, übersetze ich jetzt nicht“, aber Miete zahlen darfst du trotzdem 😉 Ich bin mit ihm ins Gespräch gekommen, und er erzählte mir das er in den USA war, und gerne jemanden hätte, der ihm weiter Englisch beibringen könnte, und ob ich Lust hätte. Mittlerweile wusste ich, dass dies eine Ehre ist, und man nicht nein sagen soll, also hab ich natürlich zugestimmt. 2 Tage später traf ich mich mit 5 Mönchen in der Tempeleigenen Bücherei, und wir haben ein lustiges Gespräch auf Englisch geführt, und nebenbei haben diese immer alles auf Thai gesagt und für mich aufgeschrieben. Nach einer Weile war nur noch der eine Mönch dabei, da die anderen sehr schüchtern waren, und sich nicht richtig getraut haben. Da sich eine Frau in Thailand sehr respektvoll gegenüber einem Mönch verhalten muss, galten hier natürlich sehr strenge Regeln. Alle Türen waren grundsätzlich offen, so dass jeder unser Gespräch hören konnte, und der Mönch in keinem schlechten Ruf stand, weil er sich mit einer Frau unterhalten konnte.

Blick ins Tempelbüro
Blick ins Tempelbüro

Im Laufe dieser Gespräche (dem Mönch ging es eigentlich darum einfach englisch reden zu können), haben wir sehr viel über das Leben als Mönch geredet, über Unterschiede Deutschland – Thailand, und ich habe sehr viel über Buddhismus gelernt. Als ich wieder einmal in dem Tempel Büro war, wurde ich zu einer buddhistischen Zeremonie eingeladen, ein ander Mönch sagte der Sekretärin das sie mich „einweisen“ solle… Sie konnte ganz schlecht englisch und ich nur gefühlte 3 Sätze Thai, aber es war ein sehr interessanter Abend. Ich war 3 Stunden bei einer Zeremonie, wo man mir sagte ich solle ihr einfach alles nachmachen. Den Anwesenden thailändischen Personen wurde gesagt, dass „Eine Freundin aus Deutschland zu Gast sei“, weil ich sehr angeguckt worden bin, und gleichzeitig sollte dies erklären, dass ich zum Beispiel manche Rituale oder Gesten falsch machen würde. (Für Thais, die sehr religiös sind, kann es sehr „erschreckend“ sein, wenn ein Weißer an einer buddhistischen Zeremonie teilnimmt, da wir in Ihren Augen nicht genug gläubig sind).

Nach dieser Zeremonie wurde ich gefragt, wie ich es fände und ab dann war ich bei allen Zeremonien dabei. Ich wurde ebenfalls zum Frühstück eingeladen (was die Sekretärin und ich abseits der Mönche hatten, denn diese essen separat in einem eigenen Raum, kamen aber ständig vorbei und fragten ob alles ok ist).

Wann immer ich in das Tempel Büro musste, ich war mindestens 2 Stunden dort. Die Mönche haben es geliebt, mich über Deutschland auszufragen, über mein Leben dort. Wir haben sehr viele Diskussionen gehabt:

  • Warum ich nicht an Gott glaube
  • Warum ich Männerbesuch haben darf Zuhause
  • Warum Frauen alleine reisen dürfen
  • Ob es Geister gibt
  • Warum man Tiere nicht töten darf
  • Warum man als Frau keinen Mönch anfassen darf
  • Welche Regeln sie haben
  • u.v.m….

Da sie alles wissen wollten, hatte ich Ihnen angeboten, ihnen Fotos von Zuhause zu zeigen. Da es im Tempelbüro auch Internet gab, saß ich dort am Computer, hab mein Facebook Profil aufgerufen, meine Fotoalben aufgemacht, bin dann vom Computer weg, so dass die Mönche sich die Fotos anschauen durften. (Ich muss als Frau einen gewissen Abstand halten zu Ihnen, und darf sie auch nicht berühren)

Im Laufe des Jahres habe ich gelernt, dass auch Mönche sehr modern leben. Fast jeder hatte ein Telefon.

„Mareike, wie sollen wir sonst den Kontakt zu Mönchen in anderen Tempeln halten?“

Wir haben oft telefoniert, wenn ich mal ein paar Tage nicht im Büro war, sie haben mich sogar mal auf Koh Samui angerufen, weil ich ihnen gesagt hatte, dass ich nach einer Woche zurück war. Koh Samui war aber so schön, das ich 10 Tage geblieben bin, so dass sie sich Sorgen gemacht haben. Ich hatte da gar nicht drüber nachgedacht, weil ich Zuhause alleine lebe, so dass es für mich eine Umstellung war, immer Bescheid zu geben, wenn ich plante länger wegzubleiben. Gleichzeitig war es aber auch wunderschön, da sich im Laufe der Zeit eine Freundschaft entwickelte, die zwar sehr anders war, aber ohne sie hätte ich das Jahr in Thailand nicht geschafft.

Auf dem Blumenmarkt in Bangkok mit Novizen
Auf dem Blumenmarkt in Bangkok mit Novizen

Nach 3 Monaten pendelte es sich so ein, dass ich direkt nach der Uni in den Tempel gegangen bin, dort mitgeholfen habe Zeremonien vorzubereiten, wir haben den Tempel gefegt, sauber gemacht, andere Sachen gemacht, wir haben uns einfach nur unterhalten, Diskussionen geführt und manchmal auch einfach einen Film angeguckt (Ja, das machen Mönche auch ;-)). Auch für die anderen Mönche, die nicht mit in dem Büro arbeiteten, war es normal, wenn sie mich antrafen, denn mittlerweile wusste jeder Bescheid, dass eine Weiße dort wohnt.

Morgens gehen die Mönche durch die Straßen und bekommen „Almosen“, viele Thais haben zum Beispiel Essen dabei, was sie den Mönchen in ihre silberne Kugel füllen, die sie dabei haben. Irgendwann wurde ich gefragt, warum ich ihnen denn morgens nie was in ihre Kugel legen würde, ich würde sie doch sowieso auf dem Weg zur Uni antreffen. Ich hatte das oft gesehen, aber mich nie getraut, da ich erstens nicht wusste „wie“ das geht und zweitens ich immer damit zu kämpfen hatte, dass ich als Deutsche bei ihnen lebte und ich nicht wollte, dass anderen Thailänder was Falsches denken. Als ich ihnen das erzählte, wurde von allen gemeinschaftlich beschlossen, dass ich dies ab sofort machen werde. Ab dem Moment hab ich also morgens mindestens 2 Portionen Frühstück gekauft und eines davon dem ersten Mönch gegeben, der mir auf dem Almosengang entgegenkam.

Für eine andere Zeremonie mussten Blumen gekauft werden, und ich wurde gefragt ob ich den Blumenmarkt kenne. Da ich diesen nicht kannte, bin ich mit der Sekretärin und 3 Novizen (sie sind nicht volljährig) auf den Blumenmarkt gefahren. Dort haben wir zusammen die ganzen Blumen für den Tempel eingekauft.

„Durch die vielen intensiven Momente mit ihnen sind sie mir so ans Herz gewachsen, das ich wusste, dass es mir sehr schwer fallen wird, wenn ich gehen muss.“

An meinem letzen Abend in Thailand waren „meine“ Mönche alle im Büro mit der Sekretärin. Ich habe ganz viele Armbänder um mein Handgelenk bekommen mit „Good luck wishes“, außerdem einen Ring und einen Buddha Anhänger, mit dem Hinweis das ich jetzt genug weiß um diesen den nötigen Respekt zu ehren. Ich war sehr traurig und auch den Mönchen fiel der Abschied sehr schwer. Wir hatten da vorher schon drüber gesprochen, da in Thailand zum Beispiel wenig Emotionen gezeigt werden (man weint nicht in der Öffentlichkeit), hatte ich ihnen gesagt, das mir sowas nicht leicht fällt, so dass sie vorgewarnt wurden. Die Mönche verabschiedeten sich alle mit wunderschönen Worten, ich mich auch, dann bin ich gegangen… Ich wurde von dem Mönch, der mir die Wohnung vermittelte, einem Fahrer und einer „neutralen“ Person sogar mit dem Tempelbus zum Flughafen gebracht, wo sie am Check in mit mir gewartet haben und mich zum Gate gebracht haben. DAS war ein unglaubliches, total emotionales Erlebnis. Und am Flughafen war das natürlich ebenfalls Gesprächsthema bei den anderen 😉

Wir hatten danach regelmäßig Email Kontakt und haben viel telefoniert. Außerdem habe ich ca. 50 neue Facebook Freunde 😉 Und seit neuestem haben die Mönche die App „Line“, das ist sowas wie das deutsche WhatsApp. Dort konnten wir dann umsonst telefonieren und Fotos austauschen.
Am 6. August fliege ich nach Bangkok, ich werde im Hotel gegenüber dem Tempel wohnen, und direkt zu ihnen gehen. Ich freue mich sehr und sie sind auch alle schon aufgeregt. Ich bin sehr gespannt wie es werden wird, es ist das erste Mal seit 2 Jahren das ich sie nun sehe.

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Mareike hatte uns aufgrund unserer Fragen so viel zu erzählen, dass wir uns entschlossen haben, dieses Interview nicht zu kürzen, doch auf zwei Artikel aufzuteilen. 🙂 Denn wir denken, auch ihr wollt wissen, wie ihre spannende Geschichte weiter geht, was sie gefühlt und empfunden hat und wie es ihr tatsächlich ergangen ist.

Dieses war nun der erste Teil, der zweite folgt in einigen Tagen hier in unserer Interview-Serie (unten auch als Link-Lesetipp aufgeführt), unseres Wellness-Magazins. Wir bedanken uns bei Mareike auf alle Fälle schon einmal für das spannende Interview und vor allen Dingen auch für die vielen wunderbaren Bilder, die sie uns für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

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Seid ihr neugierige auf weitere Geschichten? Weiter spannende Interviews in unserem Wellness-Magazin:

 

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Tanja Klindworth

Hier schreibt Tanja Klindworth

Tanja Klindworth ist nicht nur das Herz der SPANESS-Redaktion. Sie schreibt darüber hinaus auch für andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine. Ob online oder als Print-Variante. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstrends, Gesundheit, Urlaub und Reise. Zusätzlich ist sie auch als Reisebloggerin tätig.