Mareike erzählt uns von ihrem Jahr im buddhistischen Kloster
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Abschied nach einem Jahr im buddhistischen Tempel

Ein Jahr im buddhistischen Kloster in Bangkok – Interview mit Tourismusmanagement-Studentin Mareike (Teil 2)

Vor einigen Tagen haben wir zum ersten Mal von Studtentin Mareike berichtet, die für ein Jahr in Bangkok gelebt hat. Ja… zu gegeben Bangkok ist schon exotisch, aber keine Geschichte, die wir hier unbedingt erzählen müßten. Ungewöhnlich wird es erst darum, weil ihr Wohnort nicht so ganz normal war. Sie…

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Ein Jahr im buddhistischen Kloster in Bangkok – Interview mit Tourismusmanagement-Studentin Mareike (Teil 2)



Vor einigen Tagen haben wir zum ersten Mal von Studtentin Mareike berichtet, die für ein Jahr in Bangkok gelebt hat. Ja… zu gegeben Bangkok ist schon exotisch, aber keine Geschichte, die wir hier unbedingt erzählen müßten. Ungewöhnlich wird es erst darum, weil ihr Wohnort nicht so ganz normal war. Sie hat das Jahr in einem buddhistischen Tempel verbracht. Als erste Europäerin durfte sie ein Jahr im Kloster verbringen und sogar auch an den Zeremonien teilnehmen. Wie es dazu gekommen ist, hat sie uns in einem Interview verrraten.

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Solltet ihr Teil 1 des Interviews noch nicht gelesen haben, so findet ihr es: HIER

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Abschied nach einem Jahr im buddhistischen Tempel
Abschied nach einem Jahr im buddhistischen Tempel
  • In wie weit hat sich dein Leben, deiner Meinung nach, durch diese Erfahrung geändert? Hatte das Jahr Einfluss auf deine Weltanschauung? Und hatte die Buddhismus-Erfahrung etwas damit zu tun?

Wenn man Freunde und Familie fragt, würden diese sagen, dass ich ein unglaublich kommunikativer Mensch bin. Ich selber würde noch ergänzen, dass ich nicht an Gott glaube, und auch nicht an Geister oder sämtliche andere „Gestalten“ dieses oder eines anderen Lebens.

Nach meinem Jahr in Thailand kann ich sagen, dass ich Glauben gelernt habe. Ich bin natürlich kein Buddhist geworden, aber durch die vielen Gespräche die wir über Buddhismus hatten, die zahlreichen Bücher die sie mir geschenkt haben, die ich lesen sollte, kann ich heute sagen, dass Buddhismus durchaus eine Religion hat, die für mich Sinn macht, in der ich eine gewisse Beruhigung und Frieden finden kann. Heute weiß ich, dass es egal ist, ob man an Gott glaubt, Buddhist ist oder einen anderen Glauben hat. Jeder Mensch sollte an das glauben, was ihm Frieden gibt, und sich dabei nicht an andere halten. Denn irgendwie haben alle Religionen eins gemeinsam: Die Sicherheit, das es etwas anderes gibt, was man nicht greifen kann, was aber da ist, und einem Frieden geben kann.

Ich selber wurde in meinem Thailand Jahr von den Mönchen zu einem anderen Tempel geschickt um Meditation zu lernen. Ich war ganz oft schlecht gelaunt, traurig, diese ganzen Regeln in der Uni, ich hab sehr lange gebraucht um dort klar zu kommen. Parallel verschlechterter sich der Zustand meines Opas dramatisch zuhause.

Die Mönche waren der Meinung, dass ich mir zu viele Sorgen mache, und ich lernen muss, damit anders umzugehen. Ich war eine Woche in einem Meditationskurs. Eine Stunde pro Tag durfte man mit seinem Lehrer reden, ansonsten herrschte absolutes Redeverbot. Ich meditierte von 6 Uhr morgens, bis 23 Uhr abends, mit 1h Frühstücks- und Mittagspause, und dem Gespräch mit meinem Lehrer. Ich habe nie an Meditation geglaubt, und es ehrlich gesagt nur getan, weil die Mönche das wollten. Ich kann es schlecht erklären, aber ich meditiere heute noch. Nicht so regelmäßig wie man sollte, aber immer dann, wenn ich eine Lösung brauche oder eine Auszeit.

Meine Mutter sagte, dass ich verlernt habe zu Reden 😉 Ihr kam ich unglaublich schweigsam vor, nach meiner Rückkehr. Ich dagegen hatte das Gefühl dass mir alle Menschen so hektisch vorkamen, da ich selber mit einer inneren Ruhe zurück kam, die ich vorher nicht kannte. Ich bin oft ein gestresster Mensch gewesen, und in Thailand lernte ich irgendwann „loszulassen“.

„Manche Situationen kann man nicht ändern, aber dann kann man auch aufhören stundenlang nach Lösungen zu suchen.“

Die Mönche haben mir gezeigt, dass egal was passiert, es nichts gibt, was einen aus der Ruhe bringen kann. Es gibt für alles Lösungen, und wenn es keine gibt, dann ist das auch in Ordnung, aber dann braucht man da auch nicht weiter nach einer Lösung zu suchen.

Wohnen im Tempel mit Skyline von Bangkok im Hintergrund
Wohnen im Tempel mit Skyline von Bangkok im Hintergrund

Zum Thema Geister: Mein Bruder kam mich nach 5 Monaten in Thailand besuchen, mein Zimmer war eingenebelt mit Räucherstäbchen, und ich hatte einen eigenen kleinen „ Schrein“ mit Opfergaben. In meiner 6. Woche erzählten mir die Mönche, dass es einen Hausgeist gäbe, der nachts durch die Wohnungen wandelt. Sie wollten wissen, ob ich diesen schon gesehen hätte. „Äh, nein!“ Am selben Abend lag ich im Bett, las ein Buch und dann ging mein Zimmerlicht an, aus, an, aus. Die Mönche sagten mir am nächsten Morgen das sie einen eigenartigen Stromausfall hatten, weil der Geist unruhig war, gaben mir Räucherstäbchen mit und zeigten mir noch wie und wo ich diese aufstellen soll. In Deutschland hätte mich jeder für verrückt erklärt – auch wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht an Geister glaubte, habe ich gelernt, den Glauben eines anderen zu respektieren. Da die Mönche der Meinung waren, der Hausgeist ist unterwegs, mache ich die Räucherstäbchen an. Es könnte ja wahr sein! Wenn ich am Anfang auch oft skeptisch war, nach einer gewissen Zeit gingen mir solche Rituale einfach ins Blut über. Ich habe nie drüber nachgedacht ob dieser Geist existiert, aber wenn die Mönche daran glauben, dann ist er auch da. Und danach lebe ich dann auch.

Waren mir früher Glücksbringer und Co. unwichtig und hatten für mich keinerlei Sinn, ist es heute anders. Der Ring der Mönche, sowie der Buddha Anhänger, begleiten mich jeden Tag. Vor wichtigen Prüfungen zum Beispiel habe ich ein kleines Gebet gesprochen, was mir die Mönche zeigten. Früher hätte ich sowas nicht gemacht, heute gibt es mir Sicherheit und das Vertrauen, was ich brauche. Das mein Jahr in Thailand so wird, hätte ich nie gedacht.

  • Was hat dich am Leben der Mönche am meisten verwundert oder auch beeindruckt? Was sollten wir, deiner Meinung nach, am ehesten von der Buddhistischen Weisheit lernen?

Verwundert hat mich am Anfang, dass sie modern leben. Fast alle hatten ein Handy, nutzen das Internet und waren auch auf dem neuesten Stand was zum Beispiel Kinofilme angeht. Ich dachte immer, dass Mönche total abgeschieden leben, nur im Tempel sind und nichts von der Außenwelt mitbekommen.

Beruhigend - Fische füttern mit den Mönchen
Beruhigend – Fische füttern mit den Mönchen

Total beeindruckt hat mich, wie weltoffen sie sind, und wie interessiert sie an anderen Menschen sind. Für sie war es absolut spannend zu erfahren, wie mein Leben in Deutschland ist und sie wollten gleichzeitig von mir meinen Eindruck über Thailand wissen.

Verwundert waren für mich auch ihre Fragen. Sie wollten zum Beispiel wissen, ob meine Mama Männerbesuch erlauben würde (ich war 29 Jahre alt), ob ich bei meinen Freund schlafen darf, ob das alle Frauen machen, ob man als Paar auf der Straße Händchen halten kann u.v.m. All diese Sachen, der körperliche Kontakt zu Frauen, ist für sie nicht erlaubt. Doch trotzdem sind sie weltoffen in dieser Sache und sie wollten wissen, wie das in anderen Ländern ist. Als ich ihnen zum Beispiel anbot meine Mama anzurufen, dass die ihnen bestätigt, das es ok ist wenn ich Männerkontakt habe, war das für sie kein Thema mehr, sie glaubten mir einfach. Ich war verblüfft über ihre Neugier, und gleichzeitig auch ihr Wissen, da ich fälschlicherweise immer dachte, Mönche leben nur in ihrem Tempel und bekomme nichts mit. Sie gucken Nachrichten, kennen sich in der Politik aus, und nehmen, auf gewisse Art und Weise, genau wie jeder andere Mensch am Leben Teil, auch wenn man es oft nicht vermutet.

Ich war auch erstaunt über ihre Kontaktfreudigkeit. Ich hätte nie erwartet, dass sie mich mit so offenen Armen empfangen und wir diese Freundschaft entwickeln würden. Total lustig war zum Beispiel die folgende Situation: Eine Freundin aus der Uni wollte mich besuchen, ich gab ihr die Adresse des Tempels… Anscheinend glaubte sie mir nicht und ihre Mutter, die zufälligerweise in diesen Tempel regelmäßig ging, fragte einen der Mönche nach mir. Dieser bestätigte ihr, dass ich dort wohne. „Malei ist unsere Freundin aus Deutschland“. Für sie war das ganz normal, dass ich dort wohne und an ihrem Leben teilhabe, für andere Thailänder, die mich in dem Tempel sahen, war das befremdlich und es kostete die Mönche viel Mühe ihnen zu erklären das „Der Farang“ (die Weiße) zu ihnen gehört. Sie haben allen anderen gezeigt und mir gezeigt, wie einfach und interessant es sein kann, andere Menschen einfach zu akzeptieren, sie so zu nehmen, wie sie sind.

Zeremonie zu Silvester im Tempel
Zeremonie zu Silvester im Tempel

Egal wie schwierig das Leben in Thailand für mich am Anfang war und egal wie negativ ich manche Situationen schilderte, wie oft ich ihnen erzählte in welches Fettnäpfchen ich in der Uni wieder getreten bin, sie haben nie die Ruhe verloren. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus und wenn man mit ihnen spricht, hat man anschließend das Gefühl, dass alles viel weniger schlimm ist. Sie gehen irgendwie mit einer absoluten Selbstverständlichkeit durch das Leben und nichts kann sie aus der Ruhe bringen. Diese Ruhe nehmen sie aus dem Buddhismus, und haben mir ein bisschen davon abgeben können. Thailänder sind generell viel ruhiger und gelassener, weniger ernst, ich denke wir Deutsche könnten davon viel übernehmen. Wir laufen oft gestresst durchs Leben, grübeln viel, machen uns Sorgen. Das machen Thais auch, aber sie haben durch ihre Religion gelernt, damit anders umzugehen.

Ich habe während der Meditation 8 Regeln bekommen und lebe heute noch einige, bzw. nach der Meditation hat man mir nur 3 Regeln erlassen, damit ich weiterhin „Üben“ kann. Natürlich kann man nicht jede der Regeln immer leben, aber wenn man ein bischen drüber nachdenkt, könnten diese helfen, auch mal ein bischen anders durchs Leben zu gehen.

Die 8 Regeln lauten:

  1. Sich darin üben, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen. Liebe und Mitgefühl für alle Wesen entfalten.
  2. Sich darin üben, nichts zu nehmen, was nicht gegeben wurde. Grosszügigkeit und Gebefreudigkeit entfalten.
  3. Sich darin üben, sexuelle Enthaltsamkeit zu leben. Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit entfalten.
  4. Sich darin üben, Lügen und grobe Worte zu vermeiden. Rechte Kommunikation entfalten.
  5. Sich darin üben, Alkohol und Drogen zu vermeiden. Achtsamkeit und Meditation üben.
  6. Sich darin üben, nach dem Mittagsmahl keine feste Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Genügsamkeit und Bedürfnislosigkeit entfalten.
  7. Sich darin üben, sich nicht zu Vergnügen und keine Verschönerungsmittel und Kosmetik zu benutzen. Natürlich und einfach leben.
  8. Sich darin üben, auf Luxus zu verzichten. Bescheiden und einfach leben.
  • Wie lautet dein Lebensmotto?

Ich hatte früher kein wirkliches Lebensmotto, ich habe auch jetzt kein wirklich definiertes Motto, doch ich lebe nach dem Prinzip „Zuhören, nachdenken und dann erst antworten“ oder „Zuhören, nachdenken und nichts sagen, wenn du dein Gegenüber dadurch verletzt“. Ich habe oft dort gelernt, dass manchmal „nichts sagen“ viel besser ist. In Thailand lächelt man ganz oft statt einer Antwort, damit man durch falsche Worte sein Gegenüber nicht verletzt, bzw. das Gegenüber sein Gesicht verlieren könnte. Das versuche ich auch:

„manchmal ist es besser nichts zu sagen!“

Tempel in Bangkok bei Nacht
Tempel in Bangkok bei Nacht

Vielen Dank an Mareike für dieses wirklich interessante Interview und die vielen Bilder, die sie uns für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat. Uns hat das Interview tatsächlich etwas nachdenklich gemacht und wir sind nun am Überlegen, wie wir ein wenig „Buddhismus“ vielleicht auch in unser Leben einbauen können.

Und natürlich würden wir auch gern mal eure Meinung zum Interview und zum Thema Buddhismus wissen. Also hinterlasst uns hier gern einen Kommentar und eure Meinung. 🙂

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Tanja Klindworth

Hier schreibt Tanja Klindworth

Tanja Klindworth ist nicht nur das Herz der SPANESS-Redaktion. Sie schreibt darüber hinaus auch für andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine. Ob online oder als Print-Variante. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstrends, Gesundheit, Urlaub und Reise. Zusätzlich ist sie auch als Reisebloggerin tätig.

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