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Julia Eichert

In der Ruhe liegt die Kraft, jeden Tag lerne ich dazu: 6 Fragen an Vegan-Bloggerin Julia Eichert + vegan Rezepte

Unsere Zeit bescherrt uns Superfood Listen, Fitfood-Bibeln oder auch Rohkostseminare. Und auch immer mehr Menschen entscheiden sich Vegetarier zu werden oder sogar zu einem komplett Veganem Leben. Julia Eichert ist eine Person davon. Sie führt seit über 2 Jahren ein Vegan-Leben. Wir wollten von ihr wissen, warum sie sich zu…

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In der Ruhe liegt die Kraft, jeden Tag lerne ich dazu: 6 Fragen an Vegan-Bloggerin Julia Eichert + vegan Rezepte



Unsere Zeit bescherrt uns Superfood Listen, Fitfood-Bibeln oder auch Rohkostseminare. Und auch immer mehr Menschen entscheiden sich Vegetarier zu werden oder sogar zu einem komplett Veganem Leben.

Julia Eichert ist eine Person davon. Sie führt seit über 2 Jahren ein Vegan-Leben. Wir wollten von ihr wissen, warum sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat, ob ihr etwas fehlt oder ob sich körperlich und für die Gesundheit sogar etwas geändert hat. Warum sie einen Vegan-Blog schreibt? …und was sie an vegane Ernährung so begeistert.

Julia Eichert Vegan-Blog - vegane Ernährung
Julia Eichert

  • Mit Sicherheit wissen viele Leute nicht, was eine vegane Ernährung ist. Kannst du unseren Lesern in wenigen Sätzen erklären was „vegan Essen & vegane Ernährung“ eigentlich heißt?

Für mich persönlich heißt vegan Essen und vegane Ernährung vor allem bewusst Essen. Dabei steht die Tatsache keine tierischen Produkte zu essen nicht immer im vollen Mittelpunkt. Spaß am umweltbewussten Lebensmitteleinkauf beim Dorfbauern, dem experimentellen Kochen und dem Genießen mit allen Sinnen, sind bei mir eigentlich genau so wichtig, wie tierischem Leid entgegen zu wirken.

  • Du ernährst dich seit über 2 Jahren vegan – du warst damals erst 17 Jahre alt. Was hat dich dazu bewegt diesen Schritt zu tun? Ist dir die Umstellung schwergefallen? Hat dir anfänglich vielleicht sogar etwas Besonders gefehlt?

Mit 15 Jahren fing mein Magen an zu rebellieren. Spontane Übelkeitsschübe, Kreislaufachterbahn und Schüttelfrost ohne Vorwarnung, mehrmals am Tag von einer Sekunde zur anderen. Zwei geschlagene Jahre wurdeich von einem Doktor zum nächsten geschickt mit Symptomen, die jeder Arzt auf einen ’nervösen Magen‘ schob. Magenspiegelungen, Krankenhausaufenthalte, Ultraschalle, hier eine Spritze da eine Spritze. Am Ende wurde ich auf Beruhigungstabletten eingestellt. Zwei pro Tag und starke Übelkeitstabletten, falls es mal ganz schlimm wurde. Im Unterricht saß ich in der letzten Reihe, damit die Lehrer nicht bemerkten falls ich meine Augen nicht mehr offen halten konnte, da die Übelkeitstabletten starke Müdigkeit hervorriefen.

Erst als ein Naturheilkundlicher Arzt mir Blut abnahm und es auf Lebensmittelunverträglichkeiten testete kam die richtige Diagnose. Hochallergische Reaktion auf Eier, Milchprodukte und Gluten, welche eine Entzündung in meinem Magen- Darmtrakt verursachten.

Zu diesem Zeitpunkt war alles was ich aß Joghurt am Morgen und Brötchen vom Bäcker in der Mittagspause. Abends hatte ich gar nichts mehr gegessen aus Angst vor übelkeitsgeplagten Nächten.

Somit war die Umstellung erst einmal grausam. Erst als ich mich genauer mit dem Thema Lebensmittel, Bestandteile und Herstellung (den Film ‚Food Inc‘ kann ich sehr empfehlen) auseinander setzte verließ mich auch noch der Appetit auf Fleisch.

Nach einem Monat ‚Verzicht‘ fühlte ich zum ersten Mal seit Jahren wieder Appetit auf Essen ohne Angst vor Übelkeit. Ob ich bei der veganen Ernährung bleiben würde, war bei dieser Veränderung keine Frage.

Blutteste zeigen sogar, dass sich meine Unverträglichkeiten bis heute größtenteils wieder gelegt haben.

  • Ist es schwer oder einfach eine vegane Ernährung in sein Leben zu integrieren? Gibt es bereits Restaurants, die „veganes Essen“ anbieten? Wie steht es mit veganen Zutaten beim Einkauf im Supermarkt? Wir haben kürzlich z.B. gelesen, dass demnächst der erste vegane Supermarkt eröffnet werden soll. Also muß das Angebot ja mittlerweile schon größer sein. Wie vielfältig kann vegane Ernährung sein?

‚In der Ruhe liegt die Kraft‘. Für mich hat Zeit einen ganz entscheidenden Faktor gespielt um meine Ernährung auch wirklich alltagstauglich zu gestalten. Wenn man freiwillig (ohne enorme gesundheitliche Probleme) auf eine vegane Ernährung umstellen möchte, darf man sich nicht zu viel auf ein Mal vornehmen. Man lernt jeden Tag etwas dazu und das Leben passt sich an die Veränderungen an. Den einen oder anderen Ausrutscher oder eine Situation in der man aus Höflichkeit das Ei nicht mehr aus dem Salat fischen kann darf man sich nicht zu sehr übel nehmen.

Als ich früher mit meiner Mutter im Supermarkt war, wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen man könne ja auch die Inhaltsstoffliste lesen. Jetzt kann ich gar nicht anders als jedes Lebensmittel erst einmal umzudrehen und die Verpackung zu studieren. Das hört sich jetzt so an als würde ich Stunden im Supermarkt verbringen um jedes Marmeladenglase auswendig zu lernen aber das stimmt nicht. Nach zwei Jahren habe ich gelernt beim Überfliegen der Tabellen und Auflistungen das Wesentliche heraus zu filtern. Wie gesagt, Zeit ist der Schlüssel. Im Endeffekt tauscht man nur alte Rituale mit neuen aus.

Vegane Restaurants und Lebensmittelläden gibt es, wobei die Qualität zum Glück immer noch der Quantität überlegen ist. Wer einmal eine Abwechslung von Reformhaus, Allnatura, Lebe gesund, Basic und Co. braucht kann in unzähligen veganen Online Shops vom Seitanmehl über vegane Kosmetik zum Hundefutter alles Erdenkliche kaufen und es wird sogar in Kühlboxen vor die Haustüre geliefert. Auch die ’normalen‘ Supermärkte wie Rewe oder Edeka führen teils Alpro Produkte und Tofu. Außerdem gibt es in Dortmund den wahrscheinlich bekanntesten veganenLebensmittelmarkt ‚Vegan Wonderland‘.

Falls ich Lust auf ein schönes Abendessen oder einen Veganen Stammtisch habe gibt es viele tolle und immer ausgefallene vegane Restaurants. Ein kleiner Geheimtipp ist die gratis App ‚vegman‘, wo die meisten nationalen und internationalen vegetarischen und veganen Restaurants aufgelistet sind. Toll auch für den Urlaub!

Also das Angebot ist riesig auch wenn man manchmal ein wenig suchen und sich eventuell in der Szene umhören muss. Dass man als Veganer nur an Möhren und Blattspinat knabbert, kommt in meiner Küche nur sehr selten vor.

  • Was hat sich in deinem Leben durch die Umstellung auf vegan essen geändert? Hast du Verständnis für Menschen, die sich noch „normal“ ernähren?

Da meine Ernährungsumstellung gezwungener Maßen zwischen Schulstress, Dating und Erwachsenwerden statt gefunden hatte und sich in dieser ‚Spät-Teenage-Zeit‘ sowieso viel ändert, verändert und entwickelt kann ich schon sagen, dass mich der Veganismus sehr geprägt hat und mich zu dem Menschen werden hat lassen, der ich heute bin. Letzten Endes habe ich eigentlich erst mit der Umstellung richtig gelernt was kochen und bewusste Ernährung wirklich heißt. Es stellte sich doch heraus, dass es so viel mehr gibt als Maggie Tütchen aufreissen und ins Wasser einrühren!

Im Gespräch mit meinen Mitmenschen gilt oft der Grundsatz: Wie du mir, so ich dir. Ich möchte mit meiner Lebenseinstellung ohne Vorurteile angenommen werden auch wenn das oft nicht so gut funktioniert. Trotzdem trete ich aber immer mit Akzeptanz und Offenheit Omnivoren gegenüber. Die Art und Weise wie jemand sein Leben leben möchte, zu respektieren ist mir sehr wichtig und ich sehe mich auch nicht als Missionar für eine vegane Ernährung.

Das beste Beispiel ist meine Mutter, die absolut jedes meiner noch so experimentellen Gerichte und vegane Rezepte mit Hingabe genießt und trotzdem ein schönes Lachsfilet zu schätzen weiß.

  • Du schreibst auch einen Vegan-Blog zum Thema vegane Ernährung und dort gibt es auch vegane Rezepte. Was hat dich dazu bewegt zu diesem Thema einen Blog zu starten? Hast du vorher schon geblogt? Warum schreibst du in deinem Vegan-Blog englisch?

Die Idee einen Blog zu schreiben kam sehr spontan. Ich hatte mich vorher noch nie wirklich mit Blogs auseinander gesetzt und hatte auch keinerlei Vorkenntnisse in Informatik.

Arbeitsbedingt zog ich für ein paar Monate von zuhause aus in meine erste eigene Wohnung. Schnell kam ich in den typischen Arbeitsrhythmus. Morgens schnell einen Apfel und ein Sojajoghurt, dann in die Arbeit und oft bin ich erst spät abends wieder nach Hause gekommen. Zeit zu kochen hatte ich wenig und ich merkte, dass meine Ernährung sich nur noch auf Obst und Joghurt beschränkte.

Der Blog galt fürs Erste als Anreiz sich wieder die Zeit zu nehmen hinter den Herd zu stellen und den Spaß am eigentlichen Kochen wiederzuentdecken.

Dass andere Menschen sich auch wirklich auf Vergan-Blog verirren würden, war für mich unvorstellbar. Nach den ersten 1000 Klicks aus aller Welt wurde mir dann klar: Mit diesem einen kleinen Veganen-Blog, ein paar guten Fotos und einfachen vegan Rezepte mit saisonalen Produkten kann ich Menschen auf der ganzen Welt durch Essen zusammen bringen. Ob eine Mutter in Neuseeland, die verzweifelt nach Rezepten für ihre 14 jährige Tochter sucht, welche von heute auf morgen entschied kein Fleisch mehr essen zu wollen, ein junger Single Mann, der in Miami seine Kumpel mit einem vegan grillen BBQ beeindrucken möchte oder einfach nur meine geliebten Nachbarn, die das Rezept für den Kuchen, welcher schon wieder vor ihren Türen standen, nachlesen möchte. Wie ein kleiner kulinarischer Globus in meinem ganz privaten, virtuellen Kreativraum.

Den Blog dann auf Englisch zu schreiben war wegen der internationalen Resonanz naheliegend.

  • Hast du ein veganes Lieblingsrezept für unsere Leser?

Nur eins? 😉

Das größte Vorurteil gegen die vegane Ernährung ist wahrscheinlich, dass Veganer zu wenig Protein essen. Dieses Rezept beweist hoffentlich das Gegenteil.

Spinat - vegan Rezepte // vegane Rezepte
Bildquelle: Jula Eichert – Spinat-Tofu-Tart – lecker! 🙂
  • Vegane Spinat Tofu Tart: Eine kleine Tart für zwei große Portionen
  • Tart: 50 g Vollkornmehl, 35 g Buchweizenmehl, 1 EL gehackte Mandeln, Salz und Pfeffer, Prise Birkenzucker, 2-3 EL Sojajoghurt
  • Füllung: 200 g schnittfester Tofu, 2 handvoll frischer Spinat, je 1 TL Salz und Currypulver, Pfeffer
  • Außerdem: 0,5 Zwiebel, 0,5 EL Balsamico, 200 g verschiedenes Gemüse (Aubergine, Paprika, Pilze, Spinat, Zucchini,…)
  1. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen.
  2. Für den Teig zuerst alle trockene Zutaten vermengen und den Joghurt einkneten.
  3. Den Teig gut verkneten und auf deinem Backpapier ebendrücken oder mit einem Wellholz rund ausrollen, sodass er die Größe der Tart erreicht. Den Teigboden mit dem Backpapier in die Tartform legen und mit einer Gabel den Boden einstechen. Für 10 Minuten in den Backofen vorbacken.
  4. Für die Füllung alle Zutaten in einen Mixer geben und fein pürieren. Mit genug Salz abschmecken. Keine Angst vor zu viel Salz, der geschmacksneutrale Tofu wird es ihnen verzeihen.
  5. Die Zwiebel in einer heißen Pfanne anbraten. Das Gemüse und denBalsamico dazu geben. (Falls jemand Auberginen verwenden will, diese mit reichlich Salz bestreuen und 30 Minuten Wasserziehen lassen. Das Wasser abtupfen und mit dem restlichen Gemüse anbraten).
  6. Zuerst die Füllung auf den Tartboden geben und das Gemüse in der Mitte häufen.

Pro Portion: Kalorien: 274 kcal – Protein: 18,5g – Kohlenhydrate: 32g – Fett: 10g

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Tanja Klindworth

Hier schreibt Tanja Klindworth

Tanja Klindworth ist nicht nur das Herz der SPANESS-Redaktion. Sie schreibt darüber hinaus auch für andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine. Ob online oder als Print-Variante. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstrends, Gesundheit, Urlaub und Reise. Zusätzlich ist sie auch als Reisebloggerin tätig.

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Kommentare
  1. Liss sagt:

    Ich bin auch seit kurzer Zeit vegan bzw. versuche diesen Weg in mein Leben zu integrieren. Deine Erfahrung zeigt mir, dass ich richtig damit liege, den Weg Schritt für Schritt zu gehen. Das freut mich 🙂 Ich schicke ganze viele Grüße aus Schenna/Meran und freue mich weiter zu lesen.

    1. Tanja Klindworth sagt:

      Liebe Liss,
      ich denke auch vegan ist grad nicht nur trend, sondern wird zu einem Lebensgefühl.
      Und wie vielfältig auch die vegane Ernährung sein kann zeigt auch grad dieser Bericht.
      Viele Grüße
      Tanja

  2. Maria Potthoff sagt:

    Toller Bericht und auch ein tolles Rezept 🙂 Der Trend ist ja immer mehr im kommen, bin auf die weitere Entwicklung gespannt! Liebe grüße vom Kalterer See!

    1. Liebe Maria,
      in der Tat. Ich persönlich bin ja keine Veganerin aber koche auch gern mal „vegan“. Ich finde die Rezepte sehr kreativ, sehr lecker und eben auch oft sehr viel vielfältiger als die gelernte Küche.
      Viele Grüße,
      Tanja