SpaCamp 2026: Warum Wellness nicht immer mehr sein muss
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SpaCamp 2026: Warum Wellness nicht immer mehr sein muss
Tanja Klindworth
Was tut Menschen wirklich gut? Mein persönlicher Rückblick auf das SpaCamp 2026 zeigt, warum Longevity, Regeneration und echte Begegnungen wichtiger werden als immer neue Wellness-Angebote.
SpaCamp 2026: Warum Wellness nicht immer mehr sein muss
Zurück zur Verbindung: Zwischen Longevity, künstlicher Intelligenz und besonderen Gästeerlebnissen ging es beim SpaCamp 2026 um eine Frage, die mich auch bei SPANESS immer wieder beschäftigt: Was tut Menschen wirklich gut? Warum das Motto re:connect mehr ist als ein Trend und weshalb die Wellness-Zukunft vielleicht weniger mit höher, schneller, weiter zu tun hat, als wir lange gedacht haben.
Muss es wirklich immer höher, schneller, weiter, geiler sein? Noch ein neues Treatment, eine weitere technische Innovation oder das nächste Longevity-Konzept?
In einer Branche, die sich in den letzten 30 Jahren ständig weiterentwickelt und immer wieder neue Möglichkeiten entdeckt, finde ich diese Frage zunehmend spannend. Denn während das Angebot wächst, scheint etwas anderes immer kostbarer zu werden: Zeit. Ruhe. Orientierung. Und das Gefühl, einfach einmal bei sich selbst ankommen zu dürfen.
Genau deshalb nehme ich vom SpaCamp 2026 im TAUERN SPA Zell am See-Kaprun (übrigens eine fantastische Location) vor allem einen Gedanken mit: Wir sollten uns wieder stärker fragen, warum wir etwas anbieten und was es beim Menschen tatsächlich bewirken soll.
Alle Teilnehmer am Tauern Spa Zell am See Kaprun (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Was verbindet uns eigentlich?
Das Motto des diesjährigen Camps lautete re.connect. Für mich passt dieser Gedanke erstaunlich gut in unsere Zeit. Es geht darum, wieder Verbindung herzustellen: zu uns selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und zu dem, was uns wirklich wichtig ist. In zahlreichen Sessions klang diese Frage auf unterschiedliche Weise an. Mal ging es um Regeneration und Longevity, mal um künstliche Intelligenz, Mitarbeiterführung, persönliche Begegnungen oder die Frage, wie ein Spa seine Gäste überhaupt noch erreicht.
Wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Diese Themen hängen eng miteinander zusammen. Es geht nicht darum, Innovationen grundsätzlich infrage zu stellen. Aber vielleicht müssen wir nicht immer noch mehr machen oder vielleicht müssen wir manches auch aus einer anderen Perspektive betrachten, um besser zu verstehen, was tatsächlich gebraucht wird.
Auf gehts in die Klamm (c) SpaCamp/Lisa RettenbacherIn der Klamm in Kaprun (c) SpaCamp/Lisa RettenbacherAm Ende der Wanderung durch die Klamm mit Thomas Schaal und Andreas Blum
re:connect: Und was tut uns wirklich gut?
Nicht nur gefühlt wird unsere Welt immer unruhiger. Wir sind ständig erreichbar, werden informiert, unterhalten, inspiriert, dauerhaft von den Medien befeuert und vor allen Dingen (auch) irgendwie permanent abgelenkt. Kaum ist ein Gedanke zu Ende, wartet bereits der nächste Impuls. In den sozialen Medien sehen wir Menschen, die scheinbar alles im Griff haben, ständig Neues erleben, sich optimieren und dabei auch noch gut aussehen. Dazwischen sollen wir arbeiten, funktionieren, Entscheidungen treffen und möglichst effizient sein.
Natürlich ist das nicht für alle Menschen gleich. Trotzdem frage ich mich immer häufiger: Wo bleibt in diesem Tempo eigentlich der Raum, um einmal durchzuatmen? Nicht schon wieder etwas zu lernen, zu verbessern oder zu erreichen, sondern einfach wahrzunehmen, wie es uns gerade geht.
Genau darin sehe wohl nicht nur ich eine große Chance für Wellness und Hospitality. Hotels und Spas können Gegenpole schaffen. Orte, an denen nicht die nächste Aufgabe wartet, sondern bewusst Raum entsteht. Ein Raum für Ruhe, Natur, Begegnung und ein bisschen Abstand vom Alltag. Das muss nicht immer ein mehrtägiges Retreat sein. Manchmal reicht vielleicht schon eine Erfahrung, die uns für einen Moment aus dem gewohnten Takt herausholt.
Auf dem SpaCamp wurde dieser Gedanke für mich besonders erlebbar: bei der Pre-Camp-Tour durch die Sigmund-Thun-Klamm, einem beeindruckenden Naturschauspiel, und während der Experience-Sessions, bei denen ich mich fürs Brotbacken entschieden hatte. Weg vom Tagungsraum, von Tastatur und Bildschirm, dafür hin zur Natur und zum gemeinsamen handwerklichen Erleben. Zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen, die den Blick vom üblichen Alltagweg und hin zum bewussten Erleben und Entdecken lenkten.
Brot backen (c) SpaCamp/Lisa RettenbacherBrot backen mit Catrin Stoppa
Ein Auftakt, der unter die Haut ging
Schon der Auftakt machte deutlich, dass re:connect mehr sein sollte als ein Motto über der Veranstaltung. Nach einer Meditation mit Peter Praunsmändtl eröffnete die Kosmetikwissenschaftlerin Dr. Meike Streker das SpaCamp mit ihrer Keynote „Die Haut, Spiegel der Seele“. Im Mittelpunkt stand die sogenannte Skin-Brain-Axis, also die Verbindung zwischen Haut, Gehirn und Nervensystem. Ein spannender Ansatz, in einer Welt aus Beauty-Produkten, Anwendungsaparaturen und Nahrungsergänzungsmitteln. Besonders hängen geblieben ist mir daher wohl auch eine Geschichte, die Meike von einem Festival erzählte: laute Musik, Staub, Schlamm und wenig Schlaf und trotzdem dieser besondere „Glow“. Ein Erlebnis, das einen Gedanken wunderbar auf den Punkt bringt: Nicht immer braucht es noch mehr, das wir uns ins Gesicht schmieren. Unsere Ausstrahlung hängt eben nicht nur davon ab, was wir von außen auf unsere Haut auftragen. Auch unser inneres Erleben, unsere Emotionen und das Gefühl, mit uns selbst und unserer Umgebung verbunden zu sein, spielen eine Rolle. Für mich war das ein stimmiger Auftakt. Denn oft beginnt echte Verbindung doch genau dort: wenn wir uns selbst und unseren Körper wieder bewusster spüren.
Dr. Meike Streker (c) SpaCamp/Lisa RettenbacherPeter Praunsmändtl (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Wie entsteht ein Ort für echte Regeneration?
Passend dazu stellte Dagmar Rizzato von Rizzato Spa Consulting die Frage, wie Hotels zu Orten echter Regeneration werden? Sie griff dabei den Gedanken von Dr. Ingo Froböse auf, dass unsere Gesellschaft nicht nur ein Belastungsproblem, sondern vor allem ein Regenerationsproblem hat. Wir wissen häufig ziemlich gut, wie wir Leistung erbringen. Aber wissen wir auch noch, wie wir wirklich abschalten und wieder Kraft schöpfen? Ich gebe zu, auch mir fällt das nicht immer leicht.
Daher ist das für mich ein unheimlich wichtiger Perspektivwechsel. Regeneration beginnt nicht zwangsläufig mit einer Massage, einem Saunagang oder einem besonderen Gerät. Eigentlich beginnt sie eher mit der Frage, was ein Mensch gerade braucht. Ruhe und Stille? Neue Energie? Orientierung? Vielleicht auch das Gefühl, wieder stärker mit sich selbst verbunden zu sein?
Dagmar Rizzato (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Longevity: Es geht nicht darum, einfach länger zu leben
Eine Entwicklung, die nicht nur beim SpaCamp, sondern in der ganzen Branche, in den letzten Jahre eine große Rolle spielt, ist Longevity. Der Begriff ist mittlerweile in vielen Bereichen der Wellness- und Gesundheitsbranche angekommen. Gleichzeitig gibt es noch immer Menschen, die damit wenig anfangen können. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen, was eigentlich dahintersteckt.
Für mich beschreibt Longevity vor allem den Anspruch, gesund älter zu werden und möglichst lange Lebensqualität, Selbstständigkeit und Wohlbefinden zu erhalten. Nicht das bloße Zählen von Lebensjahren sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, wie wir diese Jahre erleben. Lies dazu auch mein Longevity-Interview mit Dr. Ronald Burger.
Dazu gehören viele Dinge und Themen, die im Grunde nicht neu sind: ausreichend Schlaf, Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, mentale Gesundheit, soziale Beziehungen und Zeit in der Natur. Auch Regeneration ist ein wichtiger Bestandteil. Es braucht nicht zwangsläufig für jeden dieser Bereiche eine neue technische Anwendung oder ein eigens entwickeltes Paket. Vieles davon steckt bereits heute in den Angeboten von Wellnesshotels, Kurorten und Gesundheitsregionen.
Ein Gedanke, den ich passend dazu auch von der Kurorte-Konferenz 2026 mitgenommen habe, passt dazu: Kurorte müssen Longevity nicht neu erfinden. Wie Nils Behrens dort deutlich machte, leben sie viele der damit verbundenen Ansätze längst. Prävention, Bewegung, Natur und Erholung gehören in zahlreichen Kurorten seit Langem zum Selbstverständnis.
Die Herausforderung besteht vielmehr darin, diese einzelnen Bestandteile sinnvoll zusammenzubringen. Was passt zu welcher Zielgruppe? Wie werden aus einzelnen Angeboten nachvollziehbare Erlebnisse? Und wie können Gäste etwas für sich mitnehmen, das nicht an der Hoteltür endet?
SpaCamp Party mit Catrin Stoppa, Thomas Schaal, Simon Kellerhoff
Müssen sich Wellnesshotels jetzt neu erfinden?
Nein. Doch trotzdem sehe ich hier eine spannende Aufgabe für die Branche. Ein Hotel muss nicht unbedingt zur Longevity-Klinik werden. Es kann Menschen aber dabei unterstützen, sich bewusster mit ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen, neue Erfahrungen zu sammeln und kleine, realistische Impulse für den Alltag mitzunehmen.
Dabei sollten wir auch soziale Beziehungen stärker berücksichtigen. Austausch, Zugehörigkeit und das Gefühl, mit den eigenen Fragen oder Problemen nicht allein zu sein, sind keine Nebensache. Die Weltgesundheitsorganisation weist ausdrücklich darauf hin, wie wichtig soziale Verbundenheit für Gesundheit und Wohlbefinden ist.
Natürlich müssen auch die Erwartungen stimmen. Nicht jede Wellnessanwendung ist automatisch Prävention, und nicht jedes Angebot kann gesundheitliche Wirkungen versprechen. Umso wichtiger sind eine klare Positionierung, fachliche Kompetenz und eine ehrliche Kommunikation darüber, was ein Gast tatsächlich erwarten darf.
Joram Schirmaier (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Weniger auswählen müssen, mehr verstanden werden
Ein Gedanke aus der Session von Joram Schirmaier, Product Manager Wellness bei der JK-Holding, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Er stellte das klassische Spa-Menü infrage und brachte provokant einen Vergleich mit einer Arztpraxis ins Spiel.
Wenn wir zu einem Arzt gehen, schildern wir zunächst, was uns fehlt. Wir erwarten, dass uns jemand zuhört, die Situation einschätzt und uns fachlich fundiert weiterhilft. Warum sollte ein Spa-Besuch grundsätzlich anders beginnen? Muss ein Gast bereits wissen, welche Anwendung ihm guttut, bevor er überhaupt mit dem Spa-Team gesprochen hat?
Natürlich lässt sich eine Arztpraxis nicht eins zu eins mit einem Wellnesshotel vergleichen. Aber die Frage dahinter finde ich spannend. Viele Spa-Menüs führen eine lange Liste von Treatments auf, häufig mit Bezeichnungen, unter denen sich Gäste nur wenig vorstellen können. Wer nicht genau weiß, was sich hinter einer Methode verbirgt, greift möglicherweise lieber zur vertrauten Rückenmassage, obwohl eine andere Anwendung vielleicht besser zum aktuellen Bedürfnis passt.
Vielleicht braucht es deshalb nicht immer noch mehr Auswahl, sondern mehr Orientierung. Ein verständliches Angebot, gute Fragen und Mitarbeitende, die einschätzen können, welche Anwendung zu welchem Wunsch bzw. Bedürfnis passen könnte. Ein möglicher Ansatz ist, zunächst nur einen Zeit-Slot zu reservieren und erst später gemeinsam zu entscheiden, was tatsächlich gebraucht wird. Solche flexibleren Buchungsmodelle werden auch in ersten Wellness-Einrichtungen aufgegriffen. Wie gut sie funktionieren, hängt natürlich davon ab, ob die betrieblichen Abläufe und Kapazitäten darauf abgestimmt sind.
Dazu passt auch die Diskussion von Bianka Bitter über das Verkaufen im Spa. Gute Beratung fühlt sich nicht wie Verkaufen an. Sie beginnt mit echtem Interesse am Gast und dem Wunsch, ihm etwas Passendes zu empfehlen. Das ist für mich eine Form von Gastfreundschaft, die sowohl das Erlebnis als auch den wirtschaftlichen Erfolg stärken kann.
Bianka Bitter (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Vielleicht sollten wir weniger versuchen, möglichst viel zu verkaufen, und stattdessen besser darin werden, das Richtige zu empfehlen.
Der neue Luxus: Zeit, Persönlichkeit und kleine Momente
Auch bei Keven Prünster, Spa-Manager und stellvertretendem Hoteldirektor im Schlosshotel Kitzbühel, ging es um die Frage, was ein Erlebnis wirklich besonders macht. Muss ein Spa größer werden, mehr Ausstattung bieten und immer neue Möglichkeiten schaffen? Oder entsteht Luxus vielleicht gerade dann, wenn jemand merkt, was gebraucht wird, bevor der Gast überhaupt danach fragen muss?
Ein Tee, der ohne zu fragen nach der Behandlung bereits bereitsteht. Ein ehrliches Kompliment. Ein Mitarbeiter, der sich an den Namen erinnert. Solche Details wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Sie können aber darüber entscheiden, ob sich ein Mensch tatsächlich willkommen fühlt.
Besonders charmant war dabei die Geschichte von Keven Prünsters Oma, die ihm offenbar schon früh einige Verkaufsgeheimnisse mit auf den Weg gegeben hatte. Ihr Satz „Bleiben’s gesund und finanziell stabil!“ sorgte für Lacher und blieb hängen. Irgendwie passt er auch zu dieser ganzen Diskussion: Wohlbefinden und Wirtschaftlichkeit müssen keine Gegensätze sein.
Keven Pruenster (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Wichtige Erkenntnis: Wir können viel Geld in Ausstattung, Technik und neue Angebote investieren. Aber nichts davon garantiert, dass sich ein Gast persönlich angesprochen fühlt. Dafür braucht es Menschen, die aufmerksam sind, zuhören und ihre Arbeit gerne machen.
Wie echte, gelebte Werte das Erlebnis beeinflussen!
Julia Rauter von JR Coaching & Consulting griff diesen Gedanken aus einer anderen Perspektive auf. Sie zeigte, wie stark gelebte Werte das Gästeerlebnis beeinflussen. Ihre zentrale Botschaft fasst sich wie folgt zusammenfassen: Das Treatment mag der Anlass für einen Besuch sein. Das Gefühl, das bleibt, ist oft der Grund, wiederzukommen.
Das funktioniert allerdings nur, wenn diese Haltung nicht erst an der Rezeption oder im Behandlungsraum beginnt und im Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden schon wieder endet. Wer Wertschätzung nach außen vermitteln möchte, muss sie auch intern leben. Verlässlichkeit, Respekt und ein ehrliches Miteinander sind keine dekorativen Ergänzungen einer Unternehmensphilosophie. Sie prägen, wie Menschen zusammenarbeiten und wie sie Gästen begegnen.
Julia Rauter (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Die Seele eines Hauses entsteht nicht durch Perfektion
In diesem Zusammenhang fand ich auch die Diskussion über (Wellness)-Angebote für Frauen in der Lebensmitte interessant. Dr. Zrinka K. Fidermuc Maler stellte die Frage, was anspruchsvolle Frauen heute wirklich von Spa und Hospitality erwarten. Geht es wirklich immer um das nächste Beauty-, Menopause- oder Longevity-Paket?
Nicht unbedingt. Vielleicht geht es auch hier viel öfter um das re:connecten. Leichtigkeit, Inspiration und Begegnungen. Um einen Ort, an dem man nicht schon wieder etwas leisten oder optimieren muss. An dem man keinem perfekten Bildentsprechen soll, sondern einfach sein darf.
Für mich ein Gedanke, der weit über diese eine Zielgruppe hinausgeht. Ein Hotel kann eine hochwertige Ausstattung haben, ausgezeichneten Service bieten und ein umfangreiches Wellness-Angebot bereithalten. Wenn dabei die Seele fehlt, bleibt womöglich trotzdem etwas auf der Strecke.
Dr. Zrinka K. Fidermuc Maler (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Was genau macht diese Seele aus?
Wahrscheinlich ist es keine einzelne Sache. Es ist die Mischung aus Atmosphäre, Haltung, Menschen und Erlebnissen, die zusammenpassen. Dazu gehören auch Räume, die Rückzug ermöglichen, die Natur einbeziehen und eine angenehme Umgebung schaffen.
In den Sessions zur Healing Architecture wurde beispielsweise deutlich, dass die Gestaltung eines Spa-Bereichs selbst Teil des Erlebnisses sein kann. Tageslicht, natürliche Materialien, Ausblicke ins Grüne und geschützte Ruhezonen sind nicht bloß Dekoration. Sie prägen, wie wir einen Raum wahrnehmen und uns darin fühlen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Hotel gleich aussehen oder dieselbe Art von Ruhe vermitteln muss. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Haus weiß, wofür es stehen möchte, und diese Idee konsequent umsetzt.
Gracia Arnsburg (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
KI darf unterstützen, sie sollte uns aber nicht noch weiter antreiben
Kaum ein Branchentreffen kommt heute ohne die Diskussion über Künstliche Intelligenz aus. Auch beim SpaCamp wurde darüber gesprochen. Und das ist richtig so, denn der Austausch ist wichtig. Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich schnell, eröffnen neue Wege in der Kommunikation, vereinfachen Prozesse und können Mitarbeitende von wiederkehrenden Aufgaben entlasten.
Ich finde es durchaus sinnvoll, diese Möglichkeiten zu nutzen. Wenn KI bei der Vorbereitung von Texten, bei der Auswertung von Daten oder bei organisatorischen Aufgaben unterstützt, kann das wertvolle Zeit sparen. Die entscheidende Frage ist für mich aber: Was machen wir mit dieser gewonnenen Zeit?
Nutzen wir sie lediglich, um noch mehr Inhalte zu veröffentlichen, noch schneller auf Anfragen zu reagieren und noch mehr Aufgaben in denselben Tag zu packen? Oder schaffen wir dadurch wieder mehr Raum für das, was Menschen nicht einfach an eine Maschine delegieren möchten: persönliche Beratung, Aufmerksamkeit, Berührung und echte Begegnung?
Dieser Gedanke zog sich durch verschiedene Sessions: KI kann helfen, Arbeitsschritte zu automatisieren, Prozesse zu optimieren oder Social-Media-Inhalte zu planen und auszuwerten. Sie kann Abläufe erleichtern und Ideen liefern. Die Identität eines Hauses, die persönlichen Geschichten und die tatsächlichen Begegnungen müssen jedoch von den Menschen kommen, die diesen Ort prägen.
SpaCamp Team Session Raum 1: mit Lisa Marie Stangier
Technik darf Verbindungen erleichtern. Sie sollte uns aber nicht davon abhalten, Verbindungen tatsächlich zu leben.
Was macht einen guten Arbeitsplatz in der Wellnessbranche aus?
Eine weitere wichtige Frage betrifft die Menschen, die solche Erlebnisse überhaupt ermöglichen. René Hille von der Kurklinik Allgäuer Bergbad beschäftigte sich mit der Frage, warum Spa-Manager die Hotellerie verlassen. Wir erinnern uns, auch Julia Rauter machte deutlich, dass gelebte Werte sowohl aus Sicht der Gäste als auch der Mitarbeitenden entscheidend sind.
Hier zeigt sich die Verbindung zu den anderen Themen wieder besonders deutlich. Wenn wir von Achtsamkeit, Regeneration und Wertschätzung für Gäste sprechen, sollten wir auch den Blick auf die Mitarbeitenden richten. Wer den ganzen Tag Wohlbefinden vermitteln soll, braucht selbst vernünftige Bedingungen für Arbeit und Alltag.
In der Diskussion ging es unter anderem um fehlende Entscheidungsfreiheit, mangelnde Anerkennung und Wertschätzung, unklare Verantwortlichkeiten, unzureichende Kommunikation und zu wenige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Es reicht nicht, eine Spa-Leitung für wirtschaftliche Ergebnisse verantwortlich zu machen, wenn ihr gleichzeitig die notwendigen Handlungsspielräume fehlen.
Andersherum kann ein Gast kaum mehr Wertschätzung erleben, als das Team selbst erfährt. Wer sich im Arbeitsalltag nicht ernst genommen fühlt, kann die gewünschte Haltung gegenüber den Gästen nur schwer glaubwürdig vermitteln.
Das ist nicht nur eine Frage der Führungskultur. Es betrifft auch die Qualität des Gästeerlebnisses. Persönliche Aufmerksamkeit lässt sich schwerlich auf Knopfdruck erzeugen, wenn Teams dauerhaft unter Druck stehen oder sich nicht wertgeschätzt fühlen.
Vielleicht sollten Hotels deshalb nicht nur fragen, wie sie Gäste künftig noch besser erreichen und binden können. Sie sollten ebenso überlegen, wie sie die Menschen stärken, die diese Aufgabe jeden Tag vor Ort und direkt am Gast übernehmen.
Rene Hille (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Der Kreis schließt sich: Zurück zum Warum
Wenn ich die verschiedenen Gespräche und Sessions des SpaCamps 2026 für mich zusammenfasse, ergibt sich daraus keine einfache Formel für das perfekte Wellnesshotel. Die Branche ist zu vielfältig, die Gäste sind zu unterschiedlich und die Herausforderungen zu komplex, um alles auf einen Nenner zu bringen.
Aber eine Frage tauchte direkt und indirekt immer wieder auf: Was soll unser Angebot eigentlich bewirken?
Warum braucht ein Hotel eine bestimmte Anwendung?
Welchen Mehrwert bietet eine neue Technologie?
Was sollen Gäste nach ihrem Aufenthalt mit nach Hause nehmen?
Wofür steht ein Haus?
Warum sollten sich Menschen gerade dort willkommen und gut aufgehoben fühlen?
Diese Fragen sind nicht neu. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sie gerade wieder wichtiger werden. Vielleicht auch deshalb, weil wir inzwischen so viele Möglichkeiten haben, dass wir manchmal vergessen, uns zunächst über das Ziel klar zu werden.
Mehr Angebote sind nicht automatisch besser. Eine größere Auswahl führt nicht zwangsläufig zu mehr Individualität. Eine neue Technologie macht ein Erlebnis nicht automatisch persönlicher. Und ein umfangreiches Longevity-Programm bedeutet noch nicht, dass Menschen gesünder leben.
Manchmal braucht es weniger, aber davon eben das Richtige. Eine gute Empfehlung. Eine ruhige Stunde. Einen Spaziergang in der Natur. Einen Raum, in dem man sich wohlfühlt. Ein Gespräch, das neue Gedanken anstößt. Oder einfach jemanden, der aufmerksam ist und merkt, was gerade gebraucht wird.
re:connect bringt für mich genau diesen Gedanken auf den Punkt. Es geht darum, Verbindungen wieder bewusster wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Natur. Und vielleicht auch zur eigenen Vorstellung davon, was ein gutes Leben ausmacht.
Für Wellnesshotels, Spas und Gesundheitsregionen liegt darin eine große Chance. Nicht, weil sie auf Innovationen verzichten sollten. Sondern weil Innovation dann besonders wertvoll wird, wenn sie einen echten Zweck erfüllt.
Kurz gesagt: Vielleicht muss es nicht immer höher, schneller und weiter gehen. Vielleicht müssen wir manchmal einfach wieder genauer hinschauen, besser zuhören und uns fragen, was Menschen wirklich guttut. Und genau dort würde ich anfangen: nicht mit dem nächsten Angebot, sondern mit dem Warum.
Mr. SpaCamp Wolfgang Falkner (c) SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Save the Date: SpaCamp 2027 im Sauerland
Der perfekte Ort, um an diesen Themen anzuknüpfen und neue Entwicklungen zu diskutieren, ist für mich auch das SpaCamp 2027. Im kommenden Jahr trifft sich die Spa- und Wellnessbranche im Sauerland. Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich in den vergangenen zwei Jahren immer wieder in der Region unterwegs war, um mir die Kurorte und Heilbäder im Sauerland genauer anzuschauen.
Auch die Location passt gut dazu: Das 5-Sterne-Superior-Hotel DEIMANN liegt in Winkhausen im Stadtgebiet von Schmallenberg, einem staatlich anerkannten Luftkurort. Damit führt das SpaCamp die Tradition fort, jedes Jahr in einem anderen Wellnessresort neue Perspektiven und Begegnungen zu ermöglichen.
Von Montag, 27. bis Mittwoch, 29. September 2027, trifft sich die deutschsprachige Spa-Hotellerie und Wellnessbranche im Hotel DEIMANN in Nordrhein-Westfalen. Es gibt wieder 180 Teilnehmerplätze in acht Branchenkategorien, um einen möglichst ausgewogenen Mix zu gewährleisten. Der Anmeldestart ist am 1. März 2027 um 12 Uhr. Es gilt wie immer: „First come, first served“.
SpaCamp Location 2027 Hotel Deimann (c) Hotelfotografen
Warum du dabei sein solltest!
Das SpaCamp ist der Treffpunkt der Spa-Community. Du bist Hotelier, Geschäftsführung einer Therme, Spa-Manager:in in einem Resort, selbstständige Spa-Berater:in oder in einem anderen Bereich rund um Spa, Wellness und Gesundheit tätig? Dann bist du hier genau richtig!
Dich erwarten Fachwissen aus der Praxis zu aktuellen Themen rund um Spa, Wellness und Gesundheit, ehrlicher Austausch auf Augenhöhe mit erfahrenen und begeisterten Branchenkolleg:innen und ein Ort der Begegnung in einem besonderen Spa-Resort.
Tanja Klindworth ist nicht nur das Herz der SPANESS-Redaktion. Sie schreibt darüber hinaus auch für andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine. Ob online oder als Print-Variante. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstrends, Gesundheit, Urlaub und Reise. Zusätzlich ist sie auch als Reisebloggerin tätig.
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