Spa Managerin - zu dick für den Job und zu dick für den Spa -
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Sindy will's wissen

Zu dick um in den Wellnessbereich zu gehen?

Inhalte Anzeigen 1) Der tägliche Beauty-Wahnsinn einer Spa-Managerin 1.1) Was macht eine erfolgreiche Spa-Managerin aus? 1.2) Wann ist man zu dick für den Wellnessbereich? Das wir in einer sehr oberflächlichen Welt leben, ist uns ja allen schon klar aber was ich heute in meiner Behandlungskabine erlebt habe, hat mich doch…

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Zu dick um in den Wellnessbereich zu gehen?



Das wir in einer sehr oberflächlichen Welt leben, ist uns ja allen schon klar aber was ich heute in meiner Behandlungskabine erlebt habe, hat mich doch etwas geschockt!

Der tägliche Beauty-Wahnsinn einer Spa-Managerin

Ich bin jetzt seit 15 Jahren als Masseur und Spa Managerin in den verschieden Wellnessbereichen tätig. Ich durfte schon immer erleben, wie die Welt des Spa´s etwas oberflächlich ist und man als Therapeut doch viele Dinge ertragen muss, um in diesem Bereich beruflich was zu erreichen.

Das ich nie eine Größe 34/36 getragen habe, war eigentlich auch nie ein Problem und das Make up nicht zu meinen besten Freunden gehört, auch nicht. Mindestens nicht, als ich noch im medizinischem Bereich tätig war. Das änderte sich doch sehr schnell, als ich mich beruflich, in den Wellnessbereich verändert habe.

Auf einmal bekam ich von meiner Chefin einen Schminkkurs und Vorträge darüber, wie sie erwartet, dass ich meine Haare zu tragen habe.
Daran habe ich mich ziemlich schnell gewöhnt und erschrecke mich noch heute, wie schnell gewisse Handlungen zu Automatismen werden, denn heute stelle ich fest, wie Make up für mich längst ein Automatismus geworden ist. Ich erwische mich dabei, dass ich selbst an meinen freien Tagen, erst einmal meine Haare zu einer vernünftigen Frisur gestalte, dann fällt mir meistens ein, dass ich frei habe und so lasse ich dann wenigstens das Make up weg. 😉

Das sind so die täglichen Zwänge! 😉

Sindy will's wissen
Sindy will’s wissen

Was macht eine erfolgreiche Spa-Managerin aus?

Ich habe eine Menge Weiterbildungen besucht, neue Behandlungen gelernt und auch alles andere, was man für meinen Beruf braucht. Nach dem ich mein zweites, nebenberufliches Studium abgeschlossen hatte, stand ein Gespräch mit den Geschäftsführern der Firma an, für die ich gerade arbeitete. Das Thema über welches wir sprechen wollten:

„Meine berufliche Zukunft als Spa-Managerin im Unternehmen“

Das spannende an diesem Gespräch war nicht, dass über mein erfolgreiches Studium gesprochen wurde… oder darüber, dass ich das mal eben nebenberuflich geschafft habe und mein Spa (ich arbeitete damals schon als Spa-Managerin) trotzdem in dem Jahr der beste Spa der kompletten Hotelkette war. Ich wurde brav beglückwünscht für meine Erfolge (klar! Gehört sich ja so) aber mir wurde auch in diesem Moment gesagt, dass ich an mir arbeiten müsste, wenn ich in dem Unternehmen noch mehr erreichen will.

Kritik, Empfehlungen und Tipps nehme ich gern an – ich war ja noch jung! Doch dann kam das „Warum“? Ich hatte doch einen Bombenabschluss, beste Zahlen und Bewertungen für meinen Spa? Mir wurde gesagt: „In meinem Job, steht mein Gewicht, dem Erfolg im Wege.“ Zu diesem Zeitpunkt trug ich eine Größe 44. Meine Antwort, dass ja auch besagter Geschäftsführer ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, wurde damit abgetan, dass er ja auch nicht versucht in einem Bereich Karriere zu machen, in dem es um Schönheit und Ästhetik geht.

Ich habe bald darauf die Firma verlassen. Doch es fiel mir tatsächlich schwer, trotz meiner ganzen Qualifikationen, einen neuen ansprechenden Job zu finden. Ich wurde immer wieder auf mein Gewicht reduziert und ich war jetzt wirklich kein fetter Kloß (entschuldigt den Ausdruck – aber ich kann heute nur noch über dieses Gespräch den Kopf schütteln). Damals nahm ich aber tatsächlich erst einmal ab…

Auch heute trage ich noch/wieder eine Größe 42/44

Dank Mangel an gutem Personal und meiner jahrelangen Erfahrung und Kompetenz als Spa-Managerin, ist mein Gewicht mittlerweile kein Problem mehr!

Klar geht es in vielen Wellnessbereichen immer noch oberflächlich zu und ich glaube, Kosmetikerinnen und Therapeuten reden häufiger als andere Personen über Diäten und Cellulite-Behandlungen und ähnliche Dinge…

Ich stelle mir immer wieder die Frage: Wenn ich Gast in einem Spa wäre, vor wem würde ich mich lieber ausziehen? Vor einer Person die offensichtlich auch „nicht“ dem perfekten Bild aus der Werbung entspricht oder lieber vor Germanys next Topmodel?

Also, für mich ist die Antwort klar… aber wie seht ihr das? Und warum erzähle ich euch das alles eigentlich? Ich dachte tatsächlich lange, dass das nur die Therapeuten betrifft. Also, das wir Therapeuten vermeintlich „perfekt“ aussehen müssen. Doch der Alltag sieht anscheinend anders aus…

Man hat immer mal wieder Gäste die fragen, ob die Behandlungsliegen sie aushalten. Es gibt auch immer Gäste, die sich wegen ihres Körpers vermeintlich schämen und daher nicht zur Behandlung gehen mögen. All das war mir tatsächlich auch immer bewusst und es ist schlimm genug. Doch ich habe immer versucht, diesen Gästen die Scheu zu nehmen. Denn mal ehrlich, wir brauchen doch alle ein wenig Entspannung? Und keiner von uns möchte auf sein Gewicht oder Äußerlichkeiten reduziert werden – oder?!

Spa-Managerin Sindy
Spa-Managerin Sindy interessiert sich nicht nur für Wellness & Beauty 😉

Wann ist man zu dick für den Wellnessbereich?

Das war zumindestens immer meine Art zu denken. Doch dann kam mein heutiger Arbeitstag und jetzt bin ich ernsthaft sauer, sauer auf Therapeuten… sauer also auf viele Kollegen meiner Branche.

Ich hatte heute eine sehr nette Kundin zu Behandlung. Sie ist nicht viel älter als ich und sie arbeitet sogar als Kurvenmodel. Ein total hübsches Mädel.

Sie war bei uns im Spa für eine Behandlung auf der Wavebalance-Liege. Auch ihre erste Frage war „natürlich“, ob die Liege sie auch aushält? Diese Frage ist nun einmal typisch für Kunden mit etwas mehr Gewicht.

„Gewicht“ ist dann auch unser Gesprächsthema gewesen. Sie erzählte mir, dass sie lange überlegt hat, ob sie überhaupt noch Behandlungen buchen will. Im letzten Spa, in dem sie Behandlungen hatte, wurde ihr von einem Therapeuten erzählt, „dicke Menschen können keine Verspannungen haben. Denn der Muskel bzw. die Muskeln sind so gut im Fett eingebettet, dass sie sich überhaupt nicht verspannen können. Deshalb wären Massagen bei ihr nicht nötig.“

Jetzt mal ehrlich – Was für ein Quatsch??? Wie kommt man auf so einen Müll??? Ich habe mich sehr über eine solche Aussage geärgert!

Ich frage mich, wie kommt man darauf, diese ganzen Oberflächlichkeiten, aus dem Bereich für Schönheit und Ästhetik, nun auch noch unseren Gästen aufzudrücken? Gehen wir damit jetzt nicht eindeutig zu weit?

Es ist das Eine, wenn wir uns optimieren und verschönern wollen (das muß jeder für sich persönlich entscheiden). Wenn wir jetzt aber auch noch unseren Kunden diese oberflächlichen Ideale aufdrücken ist das eindeutig zu viel – oder?!

Ich habe etwas dagegen, dass wir uns nicht wohlfühlen „dürfen“ wie wir sind. Ich habe etwas dagegen, dass wir nun auch noch dazu beitragen, dass andere Menschen sich nicht in ihrem Körper wohlfühlen „dürfen“. Meiner Ansicht nach, geht so etwas voll am eigentlichen Gedanken – von Wellness und Spa – vorbei.

Ich bin dafür, dass wir uns ein wenig mehr so lieben, wie wir sind.. und vor allen Dingen bin ich dafür, dass wir andere Menschen nicht bewerten.

Punkt!

Eure Sindy

In der Sindbad-Therme Strandhotel Heringsdorf
In der Sindbad-Therme Strandhotel Heringsdorf – hier wirkt Sindy aktuell!

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Sindy Hartig

Hier schreibt Sindy Hartig

Sindy ist Spa-Managerin mit Leib und Seele. Ihr Ausbildung zum Masseur/medizinischer Bademeister hat sie durch ein Studium in Qualitätsmanagement und zur Spa-Managerin abgerundet. Sie hat schon weltweit in Spa- und Wellnessbereichen gearbeitet und hat immer ein Auge auf Wellness-Trends. Sie stellt ungeniert Wellness-Fragen und setzt sich immer wieder (auch mit unangenehmen) Themen der Wellnesswelt auseinander. Aktuell wirkt sie als Spa-Managerin im Strandhotel Heringsdorf auf der Sonneninsel Usedom und bei uns ist sie regelmässig als Gastautorin „Sindy will’s wissen“ zu lesen.

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Kommentare
  1. Issy sagt:

    Ein toller Beitrag! Es ist immer wieder erschreckend, wie Menschen rein auf ihr Äußeres reduziert werden. Leider nicht nur im
    SPA-Bereich, sondern auch im Alltag. Vor einigen Jahren trug ich selbst noch Größe 42/44. Damals ging ich noch zur Schule und wurde nicht nur von Mitschülern, sondern auch von Lehrern auf Grund meines Gewichts sehr ungerecht behandelt. Als ich auf Grund dessen an Depressionen erkrankte, warf mir meine damalige Sportlehrerin vor, dass ich an meiner Krankheit selbst Schuld sei. Schließlich sei ich ja „fett“ und wenn sie so aussehen würde, hätte sie auch Depressionen. Dass das Mobbing, welches nebenbei erwähnt sich nicht nur auf Verbalitäten beschränkte, daran Schuld war, wollte sie nicht einsehen. Leider zog ich damals die Notbremse in Form eines Schulwechsels viel zu spät und leide noch heute unter den Folgen. Besonders schlimm ist es, dass ich mich in meinem Körper nicht mehr wohlfühlte. Das ging so weit, dass ich letztlich fasst in eine Magersucht abgerutscht bin und nichts mehr essen mochte. Von 96kg runter auf 46kg, dennoch fühlte ich mich nicht wohl in meiner Haut. Es ist schlimm, dass es so weit gekommen ist, nur weil so viele Menschen meinen, man sei nur schön und gut, wenn man schlank sei. So ein Blödsinn. Leider habe ich das erst sehr spät erkannt. Heute freue ich mich wieder über ein schönes Stück Kuchen und gehe auch wieder ins Schwimmbad, ohne mich für meinen Körper zu schämen. Das schlechte Gefühl, die Depressionen und Ängste sind noch da. Aber irgendwann wird das wieder besser werden, ganz bestimmt. Ich danke dir von Herzen für diesen schönen Artikel. Es ist egal, wie wir aussehen. Es kommt auf unsere inneren Werte an. Niemand ist „zu dick“ für irgendetwas. Es gibt immer eine Möglichkeit. Und gegen intolerante Menschen helfen vielleicht so tolle Texte wie dieser hier.

    1. Sindy Hartig sagt:

      Vielen Dank das du deine Geschichte mit uns geteilt hast!
      Es macht mich echt traurig, dass wir so mit anderen umgehen.
      Ich bin froh, dass ich mich nur über sowas ärgere, mich deshalb aber kaum hinterfrage.
      Also für dich nur das Beste und denk dran „du bist so richtig wie du bist“!
      Liebe Grüße
      Sindy

  2. Wilfried Dreckmann sagt:

    Ein sanfter Hinweis auf das „Antidiskriminierungsgesetz“ Würde dem Arbeitgeber offensichtlich gut tun.

    1. Sindy Hartig sagt:

      wahrscheinlich aber schade das man so einen Weg gehen müsste… Lg

  3. Sissi S. sagt:

    Liebe Sindy, ich stimme ihnen zu in Ihrer Aussage derer über die Aüsserlichkeiten die an Primitivität nicht zu überbieten sind, sie würden mich auch sehr wütend machen, denn sie tragen keineswegs Aufschluss über den Charkater oder die Kompetenz einer dort einzustellenden Person. Ich finde solches Verhalten zeigt aber auch auf, wie dieser Bereich durch Mediale Einflüsse abgestumpft ist, so als Krankheitsförderer, was mich sehr nervt muss ich gestehen. Ich definiere für mich Schönheit nicht nach Aussehen, sondern nach innerem Wert und der definiert Aussehen, wenn man es zulässt, sieht man es sogar 😉 ….
    UND, Ihnen möchte ich Nahe legen, dass Sie, so lese ich es in Ihren Zeilen, einen ganz wunderbaren Charakter haben und wohl sehr gut wissen was wirklich wahre Schönheit ist und bedeutet, Sie sind es, wenn Sie verstehen was ich Ihnen sagen möchte ;). Alles Liebe für Sie.

    1. Sindy Hartig sagt:

      Vielen Dank für die lieben Worte!

  4. Toller und ehrlicher Beitrag!
    Da ich selber Grösse 42/44 trage und auch noch Ü 50 bin, fühle ich mich in einem SPA wohler, wo nicht nur junge, spindeldürre, bis zu den Zehenspitzen gestylte Mädels tätig sind. Falls ich mal nach Heringsdorf Reise, komme ich bei dir vorbei .

    1. Sindy Hartig sagt:

      Liebe Dagmar,
      Würde mich über Besuch sehr freuen .
      Schön das du meiner Meinung bist.

  5. Es gibt in unserer Branche ja 2 Richtungen. Einmal die Selbstoptimierung und dann die Entspannung. Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass erstere sich so langsam verpisst. Aber wichtig, dass Du es hier mal thematisiert hast. Danke dafür ❤️

    1. Sindy Hartig sagt:

      Liebe Jenny,
      Glaube nicht das sich die erste mal verpisst dafür ist der Markt viel zu groß!!!
      Auch wenn ich mir wünschen würde das es anders wäre.